Eulen, Eulen, Eulen

Ja, ja, die Arbeit mit Schablonen - eigentlich im Kunstunterricht verpönt - für mich in einer gesunden Dosis eingesetzt und zur Verschönerung unserer Fenster in Ordnung. Umso mehr in Ordnung, wenn wir damit das genaue Schneiden üben und dafür muss dann eben auch manchmal der Kunstunterricht herhalten.

 

Früher (ja, da war alles besser) :-) kamen die Kinder mit der Fertigkeit genau auf einer Linie zu schneiden aus der Kita. Heute kann davon leider nicht mehr ausgegangen werden - gerade in unserem Einzugsgebiet sind die "Vorbereitungen" für die Schule doch sehr unterschiedlich. Ich möchte ausdrücklich betonen, dass dies auch nicht ausschließlich Arbeit einer Kita ist, Eltern sind hier genauso in der Verantwortung. Wenn jedoch "Vorschularbeit" oder "Programm im letzten Jahr vor Schulbeginn" oder wie man auch immer diese Zeit nennt, stattfindet, gehört für mich angeleitetes Schneiden dazu. Die Aussagen "unsere Kinder schneiden doch - eben nur was sie möchten" ist für mich keine Arbeit im Sinne eines möglichst reibungslosen Übergangs.

 

Es kann nicht im Sinne des Erfinders eines Hessischen Bildungs- und Erziehungsplanes sein - wenn Kinder in der Kita lediglich lustbetont und eigengesteuert lernen und wir in der Schule dann die fehlenden Fertig- und Fähigkeiten, die notwendig sind, um abwechslungsreichen, spannenden und handlungsorientierten Unterricht zu halten, "aufholen" müssen und dazu z.B. unser Kunstunterricht herhalten muss. Da läuft leider immer noch - auch in unserem Tandem - einiges schief!

 

Herrje, nun habe ich weit ausgeholt und auch mal wieder meinem Unmut Platz gemacht!

 

Eigentlich wollte ich nur zeigen, welch tolle Eulen die Kinder gebastelt haben. Leider kann ich sie noch nicht am Fenster aufhängen, da wie bereits geschrieben, die Fensterputzer drohen. Aber sobald diese durch sind, werden wir wundervolle Eulenfenster haben, denn trotz Schablonen, sind durch die unterschiedlichen Papiere und die unterschiedliche Anordnung der Flügel 14 ganz einzigartige Eulen entstanden, die nur darauf warten auf Ästen am Fenster Platz zu nehmen.

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Kommentare: 2
  • #1

    icke (Freitag, 08 September 2017 19:33)

    Das mit der Feinmotorik macht mir auch Sorgen. Ich habe in meiner ansonsten wirklich tollen Klasse auch eine große Gruppe mit Kindern, die von Anfang an deutliche Schwierigkeiten in diesem Bereich hatte und (trotz Förderung von Beginn an) immer noch hat. Und was mir in diesem Durchgang das erste mal ganz bewusst auffällt, ist der deutliche Zusammenhang zwischen diesen feinmotorischen Schwierigkeiten und den Schwierigkeiten beim späteren (Recht-) Schreiben. Das ist mir früher nicht so aufgefallen, weil ich an einer Brennpunktschule war, wo die Kinder insgesamt sehr schwach waren, da war der Zusammenhang nicht so deutlich. Jetzt kommen meine Schüler aber aus gut aufgestellten Elternhäusern, sind kognitiv absolut fit, haben jede Menge Ideen und Einfälle, können sich gut ausdrücken und alles und trotzdem tun sich einige erstaunlich schwer mit dem Schreiben. Auch die Eltern dieser Kinder berichten, dass die Kita "offen" gearbeitet habe, sprich: wenn das Kind keine Lust hatte zu basteln, musste es auch nicht. Finde ich mittlerweile auch sehr bedenklich. Das Problem dabei ist nämlich nicht nur, dass bestimmte Fähigkeiten nicht mehr trainiert werden, sondern dass diese Kinder auch ganz große Schwierigkeiten haben, sich damit abzufinden, wenn sie plötzlich auch mal Dinge tun sollen, zu denen sie keine Lust haben. Die Umstellung fällt ihnen dadurch deutlich schwerer und sie müssen zum Teil massive innere Widerstände überwinden. Das heißt: das Schreiben ist von anfang an anstrengender, weil motorisch schwierig, macht dadurch weniger Spaß und wird dann ganz schnell abgelehnt. Sehr schade, zumal ich bei meinen eigenen Kindern auch erlebt habe, dass es anders gehen kann. Vorschularbeit wie sie sein soll: weder stumpfsinnige Arbeitsblätter (auch das Extrem gibt es ja) noch Beliebigkeit, sondern kleine spannende Projekte, ausgerichtet an den Interessen der Kinder bei denen sie ganz viel im Zusammenhang hergestellt und versprachlicht haben. Sehr viel Freiraum in vielen Bereichen und trotzdem auch gemeinsame Bastelaktionen (ja, es mussten alle ein Laterne basteln und nein, es hat keinem Kind geschadet...). Erschien mir jetzt nicht soooo schwer.
    Auf jeden Fall machst du es genau richtig, gerade am Anfang soviel Zeit in die Fördrung der basalen Fähigkeiten zu richten. Ich wünsche dir dass es sich lohnt!

  • #2

    Gabi (Freitag, 08 September 2017 20:00)

    Vielen lieben Dank für diesen ausführlichen Kommentar, der meinen/unseren Beobachtungen im Kollegium entspricht. Ich denke es ist weiterhin dringend notwendig mit den Kitas im Gespräch zu bleiben, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsame Ideen zur Verbesserung dieses Zustandes anzubahnen.

    Tatsache im Moment ist, dass ich nicht in dem Tempo fortschreiten kann, wie ich es geglaubt hatte. Allein das Zahlen schreiben, bereitet vielen Kindern extreme Probleme. Immer wieder werden bereits gesicherte Zahlen seitenverkeht geschrieben, die 8 ist eine besondere Herausforderung!

    Nun werde ich nächste Woche mit dem Buchstabenlehrgang beginnen, sollte dieser genauso schwierig verlaufen, wie das Zahlen schreiben, müsste ich mir etwas zur
    motorischen Merkfähigkeit überlegen - damit habe ich mich noch nie auseinandergesetzt!

    Liebe Grüße